Dienstag, 17. April 2012
Letzte Woche war offiziell Halbzeit für meine Zeit hier in Shanghai und da dachte ich es wäre mal wieder Zeit das Ein oder Andere loszuwerden.
Das Wichtigste für mich ist, dass der Frühling nun auch endlich Einzug in Shanghai erhalten hat und das ständige frieren damit wohl ein für alle Mal überstanden ist. Jetzt stellt sich nur die Frage wann das ununterbrochene Geschwitze losgeht. Ich hoffe natürlich, dass das nicht so bald passieren wird, aber meine Meinung interessiert ja leider niemanden. Momentan genieße ich angenehme Temperaturen um die 20° C und hauptsächlich trockenes Wetter.
Die letzten zwei Wochen kam ich in den Genuss der Gesellschaft von Finn, der den Weg von Hamburg hier rüber gefunden hat um mir einen Besuch abzustatten. Es war wirklich super mal wieder ein bekanntest Gesicht um einen rum zu haben, und gab mir außerdem einen perfekten Anlass das echte Shanghaier Touristenprogramm in Angriff zu nehmen.
Ich hatte eine Woche frei und zusammen mit Finn habe ich diese auch wirklich genutzt. Auch wenn wir doch immer erst relativ spät aus dem Bett gekommen sind (aber alles Andere wäre in meiner freien Woche auch kaum akzeptabel gewesen), haben wir die Tage voll genutzt und uns wirklich, auf eine super entspannte Weise, durch eine lange Liste von Sehenswürdigkeiten gearbeitet. Viele davon hatte ich bei meinem ersten Besuch hier, vor knapp zwei Jahren, schon gesehen, aber mit dem Hintergrund, dass ich inzwischen seit drei Monaten hier lebe und die Stadt inzwischen ganz gut kenne, war das eine ganz andere Erfahrung. Ich habe aber auch neue Highlights entdeckt, wie zum Beispiel in einer Bar im 91. Stock des World Financial Towers (eines der 10 höchsten Gebäude der Welt) auf über 400 Metern den Ein oder Anderen Drink zu schlürfen und über Shanghai zu blicken.
Auch mein Praktikum geht jetzt in die zweite Phase. Morgen werde ich von meinem bisherigen Platz in der Marketingabteilung fuer Automotive Aftermarket in den Human Resources Bereich umziehen. Ich bin schon sehr gespannt was mich in der neuen Abteilung und bei dem Projekt, das ich unterstuetzen soll erwartet. Ich kann mit gut vorstellen, dass Human Resources mir eher zusagen koennte, aber man wird sehen.
Zusätzlich zu diesem kurzen Bericht gibt es auch mal ein paar visuelle Eindrücke von meinem Leben und Shanghai.
Ich habe momentan das Gefühl, dass die Zeit beginnt schneller zu verstreichen, als zu Beginn und das Ende meiner Zeit scheint langsam schon in greifbare Nähe zu rücken.





Hier wohne ich übrigens

Skyline

Ein wunderbarer Trödelmarkt

Es gibt auch noch ein bisschen "echtes" China

Drinks mit Finn in der Captain's Bar

Shanghais schönstes Gericht

Bosch Gebäude

Ein echtes Großraumbüro

Mein Arbeitsplatz (naja bis heute)

Großteil der Praktikanten meiner Abteilung

Standard Kantinenessen (2x Fleisch, 2x Gemüse, 2x Buns, Reis, Joghurt und eigentlich noch eine Suppe, aber ich bin kein Fan von Spülwasser)




Freitag, 23. März 2012
Jetzt ist es gefühlt schon eine Ewigkeit her, dass ich das letzte Mal ein bisschen aus meinem Leben hier in Shanghai berichtet habe. Das ändere ich dann mal ganz schnell.
Ziemlich genau zwei Monate bin jetzt hier und langsam aber sicher bin ich völlig im Alltagsleben angekommen. Mein Praktikum läuft vor sich hin und ist weiterhin interessant, wenn auch nicht weltbewegend. Es dauert aber auch nicht mehr allzu lange bis ich für die zweite Hälfte meines Praktikums in eine andere Abteilung wechsle. Da steht mir möglicherweise eine völlig andere Praktikumserfahrung bevor. Man wird sehen.
Das Leben in Shanghai ist aber weiterhin eine besondere Erfahrung, die vor allem durch die Tatsache, dass das Wetter langsam aber sicher in Richtung Frühling steuert, immer angenehmer wird. Nach wochenlangem Dauerregen war der Wohlfühlfaktor doch weniger hoch als gewünscht. Auch die Nachricht, dass dieses Regenwetter völlig ungewöhnlich für diese Zeit ist, hilft dann doch auch eher wenig, um nicht zu sagen gar nicht. Jetzt scheint die Zeit aber endlich vorbei, in der meine Zimmertemperatur mit der Temperatur des Kühlschranks konkurriert! Aktuelle 15 C in der Wohnung fühlen sich da schon richtig luxuriös warm an. Es sollte sich jetzt noch einige Wochen bessern, bevor die Kombination aus Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit das Wetter wieder unerträglich werden lässt. Das kann leider schneller gehen als man sich das wünscht, da Shanghai, den Einheimischen nach, eigentlich nur aus Winter und Sommer besteht und Frühling bzw. Herbst kaum erwähnenswerte Randjahreszeiten sind. Kein Klima, was ich auf Dauer ertragen wollen würde, aber das muss ich ja auch nicht.
Das Klima mag eines der weniger attraktiven Aspekte Shanghais sein, aber dafür gibt es auch eine menge attraktive, allen voran das Essen! Eine wunderbare, vielfältige, chinesische Küche, zu mehr als erschwinglichen Preisen, lassen Shanghai zu einem echten Schlemmerparadies werden, vorausgesetzt natürlich man hat eine Leidenschaft für asiatischen Essen. Mit westlichem Essen tun die Chinesen sich ähnlich schwer wie die Deutschen mit „echter“ chinesischer Küche. Essen ist hier wirklich eines der beliebtesten Hobbies und wird ordentlich zelebriert. Die meisten meiner Co-Worker schlemmen auf jeden Fall lieber ausgiebig nach der Arbeit, als Sport zu machen. Den Sport überlässt die arbeitende Bevölkerung hauptsächlich der Jugend und den Rentnern. Mir bleibt es auf der Grundlage dieser Informationen und der Massen an Essen, die sich viele Chinesen, abends in den Restaurants, reinschaufeln ein Rätsel warum Übergewicht hier nicht im geringsten ein Problem darstellt. Naja good for them würde ich sagen.
Für mich war das einzige Problem, dass Sportvereine daher kaum existieren und Bosch auch ein eher eingeschränktes Sportprogramm anbietet. So konnte ich mich in der ersten Zeit nur an der Wii mit den Chinesen im Tischtennis messen, das aber immerhin erfolgreich. Vorletzte Woche habe ich aber endlich eine Möglichkeit gefunden an einer der Unis ein bisschen Tischtennis zu spielen. Die Chinesen freuen sich auch wirklich über so einen unbekannten Herausforderer und sind zum Teil sehr verblüfft, dass der „Westler“ richtig mit so ‘nem Schläger umgehen kann.
Gut soweit erst einmal aus dem Leben hier in China.

Jetzt bleibt mir noch zu verkünden, dass ich nach einer Zusage vom Leiden University College die Qual der Wahl hatte und mich letztendlich für LUC und gegen Amsterdam entschieden habe. Ich werde also ab Ende August in Den Haag zu finden sein. Aber vorher gucke ich natürlich auch noch für ein paar Wochen in Hamburg vorbei.
Ich habe rausgefunden, dass ich pünktlich zum Endspiel der EM wieder in Deutschland eintreffe, und ein Finale ohne deutsche Beteiligung daher völlig inakzeptabel wäre...




Mittwoch, 15. Februar 2012
Es ist seit meinem letzten Eintrag schon etwas Zeit vergangen und daher dachte ich, dass ich mal wieder ein bisschen berichten könnte, was ich hier in Shanghai so treibe. Ich habe mich langsam richtig gut eingelebt und fühle mich wirklich wohl hier in der Stadt. Die Tatsache, dass man hier alles bekommen kann, wenn man wirklich möchte, trägt sicher auch dazu bei, dass man sich nicht völlig in einer anderen Welt verloren fühlt.
Eine wirklich großartige Nachricht, die ich mitteilen kann ist, dass AUC mich angenommen hat und ich also die Möglichkeit habe ab Sommer an einem University College in den Niederlanden zu studieren. Genau wie ich mir das gewünscht habe. Da hat mich die Nachricht, dass Edinburgh dieses Jahr leider keinen Platz für mich hat, überhaupt nicht weiter gestört. Ich muss aber sagen, dass ich ein wirklich interessantes und anregendes Interview mit LUC hatte und ich mir nicht mehr so ganz sicher bin, ob Amsterdam wirklich immer noch die erste Wahl ist bzw. sie auch bleibt, sollte auch LUC mich annehmen. Das wäre dann aber wirklich eher ein Luxusproblem. Ich werde sehen, was die nächsten Wochen an Infos und Gedanken mit sich bringen.
Mein Praktikum bei Bosch nimmt auch langsam immer mehr fahrt auf. Ich werde immer weiter in die verschiedenen Aufgabenbereiche meiner Abteilung eingeführt und bin viel am lesen, um Grundlagen und Zusammenhänge zu verstehen. Am Donnerstag gibt es dann ein ganztägiges Seminar zum Thema Brand Management, vom deutschen Marketingchef für AA China. Ich habe auf jeden Fall das Gefühl, dass mir dieses Praktikum gute Einblicke in so ein großes, internationales Unternehmen gewährt.
In meiner Abteilung wimmelt es von chinesischen Praktikanten, die meist im Rahmen ihres Masterstudienganges ein Praktikum machen und mich sehr freundlich in ihre Gruppe aufgenommen haben. So hat man immer jemanden zum Schnacken und eine ganze Gruppe zum Mittagessen (für Kantinenessen wirklich akzeptabel) und danach spazieren gehen. Ohne einen Ausflug an die frische Luft dreht man irgendwann hier am Schreibtisch sonst einfach durch. Da meine Tage hauptsächlich mit dem Praktikum gefüllt sind, bin ich vor allem am Wochenende in der Stadt unterwegs, um Shanghai in vollen Zügen zu erleben und zu genießen. Die ersten maßgeschneiderten Hemden sind auch schon auf dem Schneidermarkt erstanden worden.
Ich hoffe alle Hamburger haben das Alstervergnügen verletzungsfrei überstanden (ich habe von über 100 Knochenbrüchen alleine am ersten Tag gelesen) und natürlich auch genossen!
Grüße aus der Ferne!




Sonntag, 5. Februar 2012
Die ersten zwei Tage meines Praktikums hier in Shanghai sind absolviert und da muss ich natürlich gleich einmal ein bisschen erzählen. Aber der Reihe nach.
Am Mittwoch stand mir erst einmal das Skype Interview mit dem Amsterdam University College (für alle die es nicht wissen, das ist meine Wunschuni) bevor. Doch ein bisschen aufgeregt fand ich mich gleich zwei Professoren „gegenübersitzend“ wieder. Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass das Interview ganz gut gelaufen ist, obwohl ich das unglaublich schwierig einzuschätzen finde. Meine Gesprächspartner waren nett und freundlich und mit den meisten Fragen konnte ich auch problemlos etwas anfangen, obwohl es sich doch mehr auf aktuelle politische Geschehnisse etc. bezog, als ich erwartet hatte, aber gut man will ja auch gefordert werden. Jetzt heißt es nur noch warten und fest die Daumen drücken!
Am 9. steht mir dann schon das nächste Interview bevor, diesmal mit LUC (Leiden University College in The Hague).
Aber nun zu Donnerstag und Freitag und dem Grund warum ich eigentlich hier in China rumhänge: meinem Praktikum bei Bosch Investment in Shanghai.
Mehr schlecht als recht ging es los, als am Donnerstag morgen der Wecker mich schon um 7 Uhr aus meinem tiefen Schlaf riss und mir mitteilte, dass ich mein warmes Bett quasi schon mitten in der Nacht verlassen muss. In Businessklamotten geworfen ging es dann aber kurz danach Richtung Metro. Die ersten drei Stationen bis zu meiner Umsteigestation gingen auch relativ angenehm von statten, doch als ich mich Richtung Line 2 bewegte, die mich zu meinem neuen Arbeitsplatz befördern sollte, verlor ich schon ganz schön die Lust. Grund dafür: Die Shanghaier Metro (besonders Line 2) zur allmorgendlichen rush hour. Menschenmassen, Gedränge und bei den Chinesen vor allem extremes Geschubse und Gerämpel. Man kann die Chinesen definitiv als rücksichtlos im Alltagsleben beschreiben und ohne ausgefahrene Ellenbogen brauch man in der rush hour gar nicht erst versuchen Metro zu fahren. Aber gut, schnell an die alten Tugenden des erfolgreichen Skilift anstellens erinnert und los ging es. Die Tatsache, dass ich hier mit meiner Größe eigentlich über alle Menschen in der Metro rüber gucken kann, macht das fahren zur rush hour dann doch einigermaßen erträglich, dennoch fühlte es sich gut an, als ich an meiner Endhaltestelle mit den Massen Richtung Freiheit drängen konnte.
Eine Viertelstunde Fußmarsch später (ab Tag zwei konnte ich mit meinem Bosch Ausweis den Shuttleservice in Anspruch nehmen) stand ich dann vor dem riesigen, neuen Bosch Gebäude. Mit so einem riesen Klotz hatte ich eigentlich nicht gerechnet, da sich in Shanghai keinerlei Produktion, sondern nur Administration befindet. Inzwischen weiß ich aber, dass ich mit ungefähr 2000 Menschen unter einem Dach arbeite, Tendenz steigend (der zweite Anbau ist schon halb fertig).
Mein Mentor, der Head of Human Resources, in dessen Abteilung ich den zweiten Teil meines Praktikums absolvieren werde, gab mir dann eine kleine Einführung und eine Führung durch das Gebäude, in dem man sich eigentlich nur verlaufen kann!
Nach einem mehr als akzeptablen Mittagessen in der riesen Kantine, in der es eine große Auswahl an chinesischem und auch europäischem Essen gibt, wurde ich in meine Abteilung für den ersten Abschnitt meines Praktikums geführt. Ich bin jetzt also Intern in AA/MKT3-CN (drittes Marketingteam für Automotive Aftermarket in China). Mein Team besteht aus 8 Chinesen und zwei weiteren (chinesische) Praktikanten.
Meine Aufgaben waren auch schon schriftlich festgehalten und lauten:

- support to develop a social media concept in CN
- support to define Communication process map
- support doumented procedure: Develop and Manage Channel concepts

Was das alles nun genau bedeutet und beinhaltet werde ich sicher auch noch rauskriegen.
Meine Einführung zum Thema social media hatte ich auch schon und meine Aufgabe besteht wohl darin, Ideen zu entwickeln wo und wie Bosch AA China im Bereich der social media auftreten sollte.
Eine ehemalige deutsche Praktikantin hat glücklicherweise schon ein Grundkonzept über die Notwendigkeit von social media und der social media Landschaft in China erstellt.
In einem Land wo Facebook, Twitter und Youtube (die Plattformen auf denen Bosch international auftritt) allesamt gesperrt sind, stellt sich diese Aufgabe als doch eher Komplex da. Ich werde mal gucken, in wie weit ich Ideen finde, wenn ich die chinesischen social media Konzepte verstanden habe.
Generell ist das arbeiten sicher interessant und lehrreich. Ich sitze übrigens mit ungefähr 150-200 Menschen in einem echten Großraumbüro, in dem das nervigste ist, dass Chinesen bei der Arbeit ganz viel ihr Handy benutzen und andauernd aus allen Richtungen irgendwelche Charthits als Klingeltöne in unglaublicher Lautstärke das ganze Office beschallen. Naja dafür ist es immerhin gut geheizt (eine angenehme Abwechslung zu den gegenwärtigen 8° in meiner Wohnung). Einen echten Dress Code scheint es nicht zu geben und Jeans sind genauso akzeptiert wie Pullover oder Strickjacken. Mit einem Hemd ist man auf jeden fall schon ganz vorne mit dabei.
Ich bin mal gespannt, was die nächsten Monate des Praktikums so mit sich bringen werden und werde natürlich auch weiterhin ab und zu ein bisschen Berichten.

Bin zwar über FB nicht erreichbar, aber Mail und Skype (skypename: ezraijs) funktionieren gut. Vielleicht hört man dann mal ein bisschen was aus der deutschen Eiseskälte.




Nach nun ziemlich genau einer Woche in Shanghai, habe ich mich langsam richtig gut eingelebt. Der Jetlag ist überstanden und die Stadt auch schon zum Teil erforscht. Da mein Praktikum erst am Donnerstag beginnt, hatte ich bis jetzt viel Zeit mich nach Lust und Laune durch die Stadt treiben zu lassen.
Ich kam direkt zur Zeit von Chinese New Year hier an, was bedeutete, dass die Stadt die ersten Tage wie ausgestorben wirkte. Die meisten Geschäfte und Straßenstände waren geschlossen und selbst ein leicht bläulicher Himmel war von Zeit zu Zeit zu erkennen, da die wenigen Autos auf den Straßen die übliche, dicke, graue Smogdecke nicht alleine aufrecht erhalten konnten. Das hat sich nun seit ungefähr drei Tagen alles wieder geändert. Die Viertel sind belebt und voll und vor allem in den Straßen stauen sich die Autos schon wieder.
Der Straßenverkehr stellt hier wirklich eine ausgesprochen große Herausforderung da, um nicht zu sagen eine echte Gefahr. Die einzige echte Verkehrsregel, die zu existieren scheint, ist die, dass Autos und Roller schlichtweg stärker sind als ein armer, kleiner Fußgänger. Ampeln werden vor allem von Abbiegern überhaupt nicht beachtet, was dazu führt, dass man sich für den Anfang am besten direkt hinter Chinesen klemmt, die das Straßengeschehen ganz anders verinnerlicht haben als zum Beispiel ich.
Das wirkliche Problem stellen aber die kleinen Motorroller da, die auch gerne auf Fußwegen und durch schmalste Gassen rasen und einfach alles an hupen, was auch nur annähernd in ihrem Weg steht. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass die Roller auch nicht auf die Idee kommen würden irgendwelche Energie für Beleuchtung zu verschwenden und daher auch in tiefster Nacht ohne Licht um die Ecken knallen.
Naja gut die Unfallquote ist trotz dieses Verkehrs aus irgendeinem, mir unverständlichen, Grund relativ niedrig, daher werde auch ich das hoffentlich verletzungsfrei überstehen.
Es hat aber auch so einige Vorteil, dass das Leben in Shanghai wieder in fahrt kommt. Offene Geschäfte sind dann doch deutlich interessanter als geschlossene und sorgen dafür, dass ich inzwischen auch endlich zwei meiner Leidenschaften nachkommen konnte: Leckere Dumplings an jeder Straßenecke und billige DVDs. Die erste Staffel Boardwalk Empire ist schon verschlungen und wirklich zu empfehlen.
Meine Mitbewohnerin Tin hat mir auch schon einen ersten, kleinen Einblick in das Shanghaier Nachtleben ermöglicht. Wir waren in einer netten Bar/Club zur Ladies Night, was hier wohl jeden Abend in einem der angesagten Clubs ist. Das erste Highlight für mich war die Tatsache, dass fast alle Clubs freien Eintritt haben und man daher anders als in Deutschland problemlos von einem Club in den nächsten ziehen kann. Beim feiern scheinen sich die Westler und die Chinesen am ehesten voneinander abzugrenzen und auch der Laden in dem ich war, war voll von Westlern und foreign born chinese. So kam man aber schnell mit netten Leuten ins Gespräch und ich hatte einen wirklich unterhaltsamen Abend. Das einzig negative war wohl, dass die Getränke in den Clubs genau das gleiche Kosten wie in Deutschland...
Nachdem das Viertel um meine Wohnung weitgehend erkundet war, habe ich mich am Sonntag dann das erste Mal in Richtung Zentrum aufgemacht. Am People’s Square angekommen, sah ich eine riesen Menschenansammlung im Eingang eines Parks und wollte natürlich rausfinden was da los war. Ich war ohne es zu wissen genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort; ich war auf dem allsonntäglichen Shanghaier Heiratsmarkt gelandet. Ich hatte schon in Deutschland darüber gelesen, doch es live mit zu erleben war schon besonders. Kurz zur Erklärung: Shanghaier Eltern treffen sich einmal die Woche, um passende Partner für ihre Kinder zu finden. Die Kinder sind nicht dabei und wie ich hörte häufig nicht einmal einverstanden, was die Chinesischen Eltern aber nicht davon abhält. Die Eltern haben alle kleine Steckbriefe ihrer Kinder dabei, die sie dann mit den Steckbriefen möglicher Partner vergleichen.
Chinesischer Heiratsmarkt
Ich konnte leider den Großteil der Steckbriefe nicht verstehen, doch die Zahlen waren zum Teil sehr eindeutig. Größe, Gewicht, Schuhgröße, Alter, Einkommen und Handynummer waren also auch für mich sichtbar.
Als junger Westler war ich sofort von einigen Eltern umringt, die mich baten mir doch einmal die Steckbriefe ihrer Töchter anzuschauen. Ein paar mutige mit Brocken von English versuchten mir dann sogar persönlich ihre Töchter schmackhaft zu machen.
Ich habe mich aber glücklicherweise gerade noch so vor einer baldigen Hochzeit retten können.
Nach diesem doch sehr merkwürdigen Erlebnis ging mein Rundgang durch die Stadt dann durch die Haupteinkaufsstraße (wo man an jeder Ecke angesprochen wird, meistens mit den Worten „Buy Lolex, good shopping“) über den wunderschönen Bund, wo ich mehrfach für Fotos mit irgendwelchen Chinesinnen posieren musste, bis hin zum bekannten Yu Garden (in dessen Zentrum steht das Teehaus mit der eckigen Brücke, dass sie in Hamburg gerade nachgebaut haben). Dort war noch die komplette Deko vom Frühlingsfest zu sehen. Das Frühlingsfest wurde dieses Jahr übrigens von Pepsi gesponsert .




Wie ihr hört ist mein Einstieg ins Leben in der Ferne doch einigermaßen gut geglückt und wenn jetzt das Wetter noch besser wird und auch die Wohnung die 10° C (übrigens nachts nur mit einer elektronischen Heizdecke zu überstehen) Marke übersteigt, werde ich mich wahrscheinlich noch ein bisschen wohler fühlen.
Das nächste Mal gibt es dann hoffentlich positive, erste Infos zu meinem Praktikum.
Bis dahin viele Grüße aus dem Reich der Mitte (ne Finn :P)

Also über E-Mails wird sich hier natürlich auch jederzeit sehr gefreut (bitte an meine hamburg.de Adresse schicken).




Nach einer durchaus interessanten Reise bin ich vor ein paar Stunden in Shanghai angekommen und möchte auch gleich ein bisschen was erzählen.
In den nächsten Wochen und Monaten werde ich auf dieser Seite je nach Lust und Laune ein bisschen von meinen Erfahrungen hier in China berichten.
Schon bei der Ankunft am Hamburg Airport erwartete mich die eine kleine, böse Überraschung, da mein Flieger mit 1,5 Stunden Verspätung in Richtung Istanbul (wo ich in den Flieger nach Shanghai umgestiegen bin) aufbrach, was bei einer geplanten Umsteigezeit von knapp 2 Stunden nicht unbedingt optimal war.
Die Verspätung steigerte sich dann während des Fluges auf 75 Minuten und als ich endlich in Istanbul ankam, wurde schon der Last Call für meinen Flieger nach Shanghai ausgerufen.
Da hieß es also rennen was das Zeug hält und bei der Sicherheitskontrolle ein bisschen drängeln, um dann doch noch gerade so rechtzeitig am Gate einzutrudeln.
Mit der Erwartung sich gleich durch ein bereits vollbesetztes Flugzeug, bis zur vorletzten Reihe durchdrängeln zu müssen, ging es an Bord, wo ich meinen Augen kaum glauben konnte: Das Flugzeug war leer!
Unterwegs im Geisterflugzeug
In der Riesenmaschine, in der sicher 500 Menschen Platz finden würden, saßen keine 50. Das war dann doch eine wirklich surreale Erfahrung, 10 komplette Reihen a 9 Sitze komplett für sich alleine zu haben. Im nachhinein muss ich sagen, dass ich mich an diese Art des Reisens, ohne Platzprobleme und nervige Mitreisende, durchaus gewöhnen könnte.
Der Flug war also wirklich der reinste Genuss, da ich mich, über 3 Sitze ausgebreitet, ungestört dem Filme gucken (Moneyball, Restless und Real Steal) widmen konnte.
Nach 10 unerwartet entspannten Stunden bin ich dann also in Shanghai gelandet und musste feststellen, dass sich meine Befürchtung bewahrheitet hatte und mein Koffer es leider nicht mehr in meinen Anschlussflieger geschafft hatte. Der wird dann morgen Nachmittag frei haus nachgeliefert.
Leicht bepackt ging es dann mit dem Bus und dem Taxi zu meinem Wohnort für die nächsten 5 Monate.
Für die sehr kurzfristige Suche, habe ich es nun doch wirklich gut getroffen. Die drei Mitbewohner, momentan noch allesamt deutsch, sind sehr nett und offen und über die Wohnung selbst kann man sich für chinesische Verhältnisse auch keinesfalls beschweren.
Das einzige Problem ist, dass die Temperaturen draußen momentan gegen 0° gehen (was sich bei der Luftfeuchtigkeit hier deutlich kälter anfühlt) und die Wohnung auch nicht allzu viel wärmer ist.
Damit ich nachts nicht frieren muss (vor allem heute Nacht, wo mir der Großteil meiner warmen Klamotten leider nicht zur Verfügung stehen) ging es eben mit zwei meiner Mitbewohner erst einmal um die Ecke zu Ikea, um eine zweite Decke, Bettwäsche und ähnliches zu Besorgen.
Sollte mich das Heimweh überkommen, gehe ich einfach zu Ikea, denn da sieht es wirklich genau aus wie zuhause, einschließlich des eben verspeisten Hot Dogs nach dem einkaufen!
Ich hoffe, dass mich der wenige Schlaf, den ich auf dem Flug hatte, vor einem schwereren Jetlag bewahrt. Die nächsten Tage gibt es dann erste, richtige Eindrücke von Shanghai.
Bis dahin viele Grüße nach Deutschland.