Sonntag, 5. Februar 2012
Die ersten zwei Tage meines Praktikums hier in Shanghai sind absolviert und da muss ich natürlich gleich einmal ein bisschen erzählen. Aber der Reihe nach.
Am Mittwoch stand mir erst einmal das Skype Interview mit dem Amsterdam University College (für alle die es nicht wissen, das ist meine Wunschuni) bevor. Doch ein bisschen aufgeregt fand ich mich gleich zwei Professoren „gegenübersitzend“ wieder. Im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass das Interview ganz gut gelaufen ist, obwohl ich das unglaublich schwierig einzuschätzen finde. Meine Gesprächspartner waren nett und freundlich und mit den meisten Fragen konnte ich auch problemlos etwas anfangen, obwohl es sich doch mehr auf aktuelle politische Geschehnisse etc. bezog, als ich erwartet hatte, aber gut man will ja auch gefordert werden. Jetzt heißt es nur noch warten und fest die Daumen drücken!
Am 9. steht mir dann schon das nächste Interview bevor, diesmal mit LUC (Leiden University College in The Hague).
Aber nun zu Donnerstag und Freitag und dem Grund warum ich eigentlich hier in China rumhänge: meinem Praktikum bei Bosch Investment in Shanghai.
Mehr schlecht als recht ging es los, als am Donnerstag morgen der Wecker mich schon um 7 Uhr aus meinem tiefen Schlaf riss und mir mitteilte, dass ich mein warmes Bett quasi schon mitten in der Nacht verlassen muss. In Businessklamotten geworfen ging es dann aber kurz danach Richtung Metro. Die ersten drei Stationen bis zu meiner Umsteigestation gingen auch relativ angenehm von statten, doch als ich mich Richtung Line 2 bewegte, die mich zu meinem neuen Arbeitsplatz befördern sollte, verlor ich schon ganz schön die Lust. Grund dafür: Die Shanghaier Metro (besonders Line 2) zur allmorgendlichen rush hour. Menschenmassen, Gedränge und bei den Chinesen vor allem extremes Geschubse und Gerämpel. Man kann die Chinesen definitiv als rücksichtlos im Alltagsleben beschreiben und ohne ausgefahrene Ellenbogen brauch man in der rush hour gar nicht erst versuchen Metro zu fahren. Aber gut, schnell an die alten Tugenden des erfolgreichen Skilift anstellens erinnert und los ging es. Die Tatsache, dass ich hier mit meiner Größe eigentlich über alle Menschen in der Metro rüber gucken kann, macht das fahren zur rush hour dann doch einigermaßen erträglich, dennoch fühlte es sich gut an, als ich an meiner Endhaltestelle mit den Massen Richtung Freiheit drängen konnte.
Eine Viertelstunde Fußmarsch später (ab Tag zwei konnte ich mit meinem Bosch Ausweis den Shuttleservice in Anspruch nehmen) stand ich dann vor dem riesigen, neuen Bosch Gebäude. Mit so einem riesen Klotz hatte ich eigentlich nicht gerechnet, da sich in Shanghai keinerlei Produktion, sondern nur Administration befindet. Inzwischen weiß ich aber, dass ich mit ungefähr 2000 Menschen unter einem Dach arbeite, Tendenz steigend (der zweite Anbau ist schon halb fertig).
Mein Mentor, der Head of Human Resources, in dessen Abteilung ich den zweiten Teil meines Praktikums absolvieren werde, gab mir dann eine kleine Einführung und eine Führung durch das Gebäude, in dem man sich eigentlich nur verlaufen kann!
Nach einem mehr als akzeptablen Mittagessen in der riesen Kantine, in der es eine große Auswahl an chinesischem und auch europäischem Essen gibt, wurde ich in meine Abteilung für den ersten Abschnitt meines Praktikums geführt. Ich bin jetzt also Intern in AA/MKT3-CN (drittes Marketingteam für Automotive Aftermarket in China). Mein Team besteht aus 8 Chinesen und zwei weiteren (chinesische) Praktikanten.
Meine Aufgaben waren auch schon schriftlich festgehalten und lauten:

- support to develop a social media concept in CN
- support to define Communication process map
- support doumented procedure: Develop and Manage Channel concepts

Was das alles nun genau bedeutet und beinhaltet werde ich sicher auch noch rauskriegen.
Meine Einführung zum Thema social media hatte ich auch schon und meine Aufgabe besteht wohl darin, Ideen zu entwickeln wo und wie Bosch AA China im Bereich der social media auftreten sollte.
Eine ehemalige deutsche Praktikantin hat glücklicherweise schon ein Grundkonzept über die Notwendigkeit von social media und der social media Landschaft in China erstellt.
In einem Land wo Facebook, Twitter und Youtube (die Plattformen auf denen Bosch international auftritt) allesamt gesperrt sind, stellt sich diese Aufgabe als doch eher Komplex da. Ich werde mal gucken, in wie weit ich Ideen finde, wenn ich die chinesischen social media Konzepte verstanden habe.
Generell ist das arbeiten sicher interessant und lehrreich. Ich sitze übrigens mit ungefähr 150-200 Menschen in einem echten Großraumbüro, in dem das nervigste ist, dass Chinesen bei der Arbeit ganz viel ihr Handy benutzen und andauernd aus allen Richtungen irgendwelche Charthits als Klingeltöne in unglaublicher Lautstärke das ganze Office beschallen. Naja dafür ist es immerhin gut geheizt (eine angenehme Abwechslung zu den gegenwärtigen 8° in meiner Wohnung). Einen echten Dress Code scheint es nicht zu geben und Jeans sind genauso akzeptiert wie Pullover oder Strickjacken. Mit einem Hemd ist man auf jeden fall schon ganz vorne mit dabei.
Ich bin mal gespannt, was die nächsten Monate des Praktikums so mit sich bringen werden und werde natürlich auch weiterhin ab und zu ein bisschen Berichten.

Bin zwar über FB nicht erreichbar, aber Mail und Skype (skypename: ezraijs) funktionieren gut. Vielleicht hört man dann mal ein bisschen was aus der deutschen Eiseskälte.




Nach nun ziemlich genau einer Woche in Shanghai, habe ich mich langsam richtig gut eingelebt. Der Jetlag ist überstanden und die Stadt auch schon zum Teil erforscht. Da mein Praktikum erst am Donnerstag beginnt, hatte ich bis jetzt viel Zeit mich nach Lust und Laune durch die Stadt treiben zu lassen.
Ich kam direkt zur Zeit von Chinese New Year hier an, was bedeutete, dass die Stadt die ersten Tage wie ausgestorben wirkte. Die meisten Geschäfte und Straßenstände waren geschlossen und selbst ein leicht bläulicher Himmel war von Zeit zu Zeit zu erkennen, da die wenigen Autos auf den Straßen die übliche, dicke, graue Smogdecke nicht alleine aufrecht erhalten konnten. Das hat sich nun seit ungefähr drei Tagen alles wieder geändert. Die Viertel sind belebt und voll und vor allem in den Straßen stauen sich die Autos schon wieder.
Der Straßenverkehr stellt hier wirklich eine ausgesprochen große Herausforderung da, um nicht zu sagen eine echte Gefahr. Die einzige echte Verkehrsregel, die zu existieren scheint, ist die, dass Autos und Roller schlichtweg stärker sind als ein armer, kleiner Fußgänger. Ampeln werden vor allem von Abbiegern überhaupt nicht beachtet, was dazu führt, dass man sich für den Anfang am besten direkt hinter Chinesen klemmt, die das Straßengeschehen ganz anders verinnerlicht haben als zum Beispiel ich.
Das wirkliche Problem stellen aber die kleinen Motorroller da, die auch gerne auf Fußwegen und durch schmalste Gassen rasen und einfach alles an hupen, was auch nur annähernd in ihrem Weg steht. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass die Roller auch nicht auf die Idee kommen würden irgendwelche Energie für Beleuchtung zu verschwenden und daher auch in tiefster Nacht ohne Licht um die Ecken knallen.
Naja gut die Unfallquote ist trotz dieses Verkehrs aus irgendeinem, mir unverständlichen, Grund relativ niedrig, daher werde auch ich das hoffentlich verletzungsfrei überstehen.
Es hat aber auch so einige Vorteil, dass das Leben in Shanghai wieder in fahrt kommt. Offene Geschäfte sind dann doch deutlich interessanter als geschlossene und sorgen dafür, dass ich inzwischen auch endlich zwei meiner Leidenschaften nachkommen konnte: Leckere Dumplings an jeder Straßenecke und billige DVDs. Die erste Staffel Boardwalk Empire ist schon verschlungen und wirklich zu empfehlen.
Meine Mitbewohnerin Tin hat mir auch schon einen ersten, kleinen Einblick in das Shanghaier Nachtleben ermöglicht. Wir waren in einer netten Bar/Club zur Ladies Night, was hier wohl jeden Abend in einem der angesagten Clubs ist. Das erste Highlight für mich war die Tatsache, dass fast alle Clubs freien Eintritt haben und man daher anders als in Deutschland problemlos von einem Club in den nächsten ziehen kann. Beim feiern scheinen sich die Westler und die Chinesen am ehesten voneinander abzugrenzen und auch der Laden in dem ich war, war voll von Westlern und foreign born chinese. So kam man aber schnell mit netten Leuten ins Gespräch und ich hatte einen wirklich unterhaltsamen Abend. Das einzig negative war wohl, dass die Getränke in den Clubs genau das gleiche Kosten wie in Deutschland...
Nachdem das Viertel um meine Wohnung weitgehend erkundet war, habe ich mich am Sonntag dann das erste Mal in Richtung Zentrum aufgemacht. Am People’s Square angekommen, sah ich eine riesen Menschenansammlung im Eingang eines Parks und wollte natürlich rausfinden was da los war. Ich war ohne es zu wissen genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort; ich war auf dem allsonntäglichen Shanghaier Heiratsmarkt gelandet. Ich hatte schon in Deutschland darüber gelesen, doch es live mit zu erleben war schon besonders. Kurz zur Erklärung: Shanghaier Eltern treffen sich einmal die Woche, um passende Partner für ihre Kinder zu finden. Die Kinder sind nicht dabei und wie ich hörte häufig nicht einmal einverstanden, was die Chinesischen Eltern aber nicht davon abhält. Die Eltern haben alle kleine Steckbriefe ihrer Kinder dabei, die sie dann mit den Steckbriefen möglicher Partner vergleichen.
Chinesischer Heiratsmarkt
Ich konnte leider den Großteil der Steckbriefe nicht verstehen, doch die Zahlen waren zum Teil sehr eindeutig. Größe, Gewicht, Schuhgröße, Alter, Einkommen und Handynummer waren also auch für mich sichtbar.
Als junger Westler war ich sofort von einigen Eltern umringt, die mich baten mir doch einmal die Steckbriefe ihrer Töchter anzuschauen. Ein paar mutige mit Brocken von English versuchten mir dann sogar persönlich ihre Töchter schmackhaft zu machen.
Ich habe mich aber glücklicherweise gerade noch so vor einer baldigen Hochzeit retten können.
Nach diesem doch sehr merkwürdigen Erlebnis ging mein Rundgang durch die Stadt dann durch die Haupteinkaufsstraße (wo man an jeder Ecke angesprochen wird, meistens mit den Worten „Buy Lolex, good shopping“) über den wunderschönen Bund, wo ich mehrfach für Fotos mit irgendwelchen Chinesinnen posieren musste, bis hin zum bekannten Yu Garden (in dessen Zentrum steht das Teehaus mit der eckigen Brücke, dass sie in Hamburg gerade nachgebaut haben). Dort war noch die komplette Deko vom Frühlingsfest zu sehen. Das Frühlingsfest wurde dieses Jahr übrigens von Pepsi gesponsert .




Wie ihr hört ist mein Einstieg ins Leben in der Ferne doch einigermaßen gut geglückt und wenn jetzt das Wetter noch besser wird und auch die Wohnung die 10° C (übrigens nachts nur mit einer elektronischen Heizdecke zu überstehen) Marke übersteigt, werde ich mich wahrscheinlich noch ein bisschen wohler fühlen.
Das nächste Mal gibt es dann hoffentlich positive, erste Infos zu meinem Praktikum.
Bis dahin viele Grüße aus dem Reich der Mitte (ne Finn :P)

Also über E-Mails wird sich hier natürlich auch jederzeit sehr gefreut (bitte an meine hamburg.de Adresse schicken).




Nach einer durchaus interessanten Reise bin ich vor ein paar Stunden in Shanghai angekommen und möchte auch gleich ein bisschen was erzählen.
In den nächsten Wochen und Monaten werde ich auf dieser Seite je nach Lust und Laune ein bisschen von meinen Erfahrungen hier in China berichten.
Schon bei der Ankunft am Hamburg Airport erwartete mich die eine kleine, böse Überraschung, da mein Flieger mit 1,5 Stunden Verspätung in Richtung Istanbul (wo ich in den Flieger nach Shanghai umgestiegen bin) aufbrach, was bei einer geplanten Umsteigezeit von knapp 2 Stunden nicht unbedingt optimal war.
Die Verspätung steigerte sich dann während des Fluges auf 75 Minuten und als ich endlich in Istanbul ankam, wurde schon der Last Call für meinen Flieger nach Shanghai ausgerufen.
Da hieß es also rennen was das Zeug hält und bei der Sicherheitskontrolle ein bisschen drängeln, um dann doch noch gerade so rechtzeitig am Gate einzutrudeln.
Mit der Erwartung sich gleich durch ein bereits vollbesetztes Flugzeug, bis zur vorletzten Reihe durchdrängeln zu müssen, ging es an Bord, wo ich meinen Augen kaum glauben konnte: Das Flugzeug war leer!
Unterwegs im Geisterflugzeug
In der Riesenmaschine, in der sicher 500 Menschen Platz finden würden, saßen keine 50. Das war dann doch eine wirklich surreale Erfahrung, 10 komplette Reihen a 9 Sitze komplett für sich alleine zu haben. Im nachhinein muss ich sagen, dass ich mich an diese Art des Reisens, ohne Platzprobleme und nervige Mitreisende, durchaus gewöhnen könnte.
Der Flug war also wirklich der reinste Genuss, da ich mich, über 3 Sitze ausgebreitet, ungestört dem Filme gucken (Moneyball, Restless und Real Steal) widmen konnte.
Nach 10 unerwartet entspannten Stunden bin ich dann also in Shanghai gelandet und musste feststellen, dass sich meine Befürchtung bewahrheitet hatte und mein Koffer es leider nicht mehr in meinen Anschlussflieger geschafft hatte. Der wird dann morgen Nachmittag frei haus nachgeliefert.
Leicht bepackt ging es dann mit dem Bus und dem Taxi zu meinem Wohnort für die nächsten 5 Monate.
Für die sehr kurzfristige Suche, habe ich es nun doch wirklich gut getroffen. Die drei Mitbewohner, momentan noch allesamt deutsch, sind sehr nett und offen und über die Wohnung selbst kann man sich für chinesische Verhältnisse auch keinesfalls beschweren.
Das einzige Problem ist, dass die Temperaturen draußen momentan gegen 0° gehen (was sich bei der Luftfeuchtigkeit hier deutlich kälter anfühlt) und die Wohnung auch nicht allzu viel wärmer ist.
Damit ich nachts nicht frieren muss (vor allem heute Nacht, wo mir der Großteil meiner warmen Klamotten leider nicht zur Verfügung stehen) ging es eben mit zwei meiner Mitbewohner erst einmal um die Ecke zu Ikea, um eine zweite Decke, Bettwäsche und ähnliches zu Besorgen.
Sollte mich das Heimweh überkommen, gehe ich einfach zu Ikea, denn da sieht es wirklich genau aus wie zuhause, einschließlich des eben verspeisten Hot Dogs nach dem einkaufen!
Ich hoffe, dass mich der wenige Schlaf, den ich auf dem Flug hatte, vor einem schwereren Jetlag bewahrt. Die nächsten Tage gibt es dann erste, richtige Eindrücke von Shanghai.
Bis dahin viele Grüße nach Deutschland.